PROJEKT: 5G-DOKUMENTATION/DE EINSTUFUNG: ÖFFENTLICH/TECHNIK STAND: LAUFEND

EINTRAG / FUNKTECHNIK

5G Frequenzen in Deutschland: alle Bänder von 700 MHz bis 3,6 GHz im Überblick

Kaum ein Faktor bestimmt das 5G Erlebnis so stark wie die Frequenz, auf der die Zelle funkt. Dieser Eintrag dokumentiert die 5G Frequenzen in Deutschland: welche Bänder vergeben sind, was sie physikalisch leisten, wie die Auktionen liefen und warum das 26-GHz-Band bis heute schweigt.

Vier 5G Antennenpanels unterschiedlicher Größe in einer Reihe auf einer weißen Laborbank

Die 5G Frequenzen im Überblick

Deutschland nutzt für öffentliches 5G vier Frequenzbereiche. Die Physik dahinter ist ein Tauschgeschäft: Niedrige Frequenzen tragen weit und durchdringen Gebäude gut, bieten aber wenig Bandbreite. Hohe Frequenzen stellen viel Bandbreite bereit, reichen aber nur kurz. Die Netzplanung kombiniert deshalb beides, Fläche von unten, Kapazität von oben.

Protokoll · Frequenzbereiche im öffentlichen 5G Netz
BandFrequenzRolleTypische Datenrate
n28700 MHzFlächen- und Landversorgung50 bis 150 Mbit/s
n12,1 GHzZwischenband, oft DSS50 bis 250 Mbit/s
n31,8 GHzZwischenband, oft DSS50 bis 250 Mbit/s
n783,4 bis 3,7 GHzKapazitätsband der Städte300 bis über 1.000 Mbit/s
n25826 GHzvergeben, im Endkundennetz ungenutzttheoretisch mehrere Gbit/s

Quelle: Frequenzvergaben der Bundesnetzagentur; Datenraten laut Netztests und Betreiberangaben, gerundet.

Die Auktionen: wie die 5G Frequenzen vergeben wurden

Die heutige Bandlandschaft stammt aus zwei Versteigerungen der Bundesnetzagentur. 2015 kamen die 700-MHz-Frequenzen unter den Hammer, frei geworden durch die Umstellung des Antennenfernsehens auf DVB-T2. 2019 folgte die eigentliche 5G Auktion über die Bereiche um 2 GHz und 3,6 GHz; sie zog sich über 497 Bieterrunden und spülte rund 6,55 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt, ein Betrag, den Kritiker bis heute als dem Netzausbau entzogenes Kapital werten. Erstmals ersteigerte mit 1&1 (Drillisch) ein vierter Anbieter Spektrum und baut seitdem ein eigenes Netz auf.

An die Zuteilungen sind Versorgungsauflagen geknüpft, etwa 98 Prozent der Haushalte je Bundesland und die Anbindung von Verkehrswegen. Diese Auflagen, nicht die Werbeprospekte, treiben den Ausbau in der Fläche; ihren Stand kontrolliert die Bundesnetzagentur öffentlich nachvollziehbar, siehe 5G Verfügbarkeit prüfen.

Die Bänder im Detail: von n28 bis n78

Das 700-MHz-Band n28 ist das Rückgrat der Landversorgung. Eine einzelne Zelle deckt bis zu zehn Kilometer ab, das Signal durchdringt Wände vergleichsweise gut. Der Haken: Pro Betreiber stehen nur 2×10 MHz zur Verfügung, mehr als 100 bis 150 Mbit/s sind selten drin. Wer auf dem Dorf das 5G Symbol sieht, funkt fast immer hier.

Die Zwischenbänder n1 (2,1 GHz) und n3 (1,8 GHz) sind Erbstücke aus UMTS- und GSM-Zeiten, die nach und nach für LTE und 5G umgewidmet wurden. Sie bieten mittlere Reichweite und mittlere Kapazität und laufen häufig im geteilten DSS-Betrieb. Das Kapazitätsband n78 um 3,6 GHz schließlich ist das, was die 5G Werbung meint: 70 bis 90 MHz zusammenhängendes Spektrum pro Betreiber, Massive-MIMO-Antennen, Datenraten bis in den Gigabit-Bereich. Seine Zellen tragen grob einen Kilometer, weshalb der n78-Ausbau in Städten beginnt und die Fläche nur langsam erreicht. Die Messwerte je Band dokumentiert der Beitrag 5G Geschwindigkeit.

Dynamic Spectrum Sharing: ein Frequenzblock, zwei Standards

DSS war der Beschleuniger des deutschen 5G Starts. Die Technik lässt LTE und 5G denselben Frequenzblock im Millisekundentakt teilen; ein bestehender LTE-Standort wird per Software zum 5G Standort, ohne neue Antennen. Der Preis ist ehrlich benannt: Beide Standards teilen sich die ohnehin schmale Bandbreite, ein Tempogewinn gegenüber LTE bleibt praktisch aus. DSS erklärt damit die verbreitete Enttäuschung, dass das 5G Symbol nicht automatisch neues Tempo bedeutet; die technischen Grundlagen dazu erklärt Was ist 5G, den direkten Generationenvergleich zieht 5G vs. LTE.

26 GHz und Campusnetze: die stillen Reserven

Das Millimeterwellen-Band n258 um 26 GHz wurde 2019 mitvergeben und schweigt im öffentlichen Netz bis heute. Reichweiten von wenigen hundert Metern bei Sichtverbindung machen den Flächenausbau unwirtschaftlich, solange n78 Reserven hat; genutzt wird das Band bislang für Tests, Messen und punktuelle Sonderanwendungen. Interessanter ist der Bereich 3,7 bis 3,8 GHz direkt oberhalb des öffentlichen n78-Spektrums: Dort vergibt die Bundesnetzagentur lokale Zuteilungen für Campusnetze. Automobilwerke, Häfen, Kliniken und Hochschulen betreiben darauf private 5G Netze mit eigener Infrastruktur, eine der wenigen 5G Anwendungen, die es ohne Umweg über den Endkundenmarkt in den Produktivbetrieb geschafft haben.

Was die Frequenzen für den Gerätekauf bedeuten

Aus Nutzersicht kondensiert das Frequenzthema auf eine Checkliste: n28 und n78 sind Pflicht, n1 und n3 gehören dazu, alles Weitere ist für Deutschland Zugabe. Regulär hierzulande verkaufte Geräte erfüllen das durchweg, Importgeräte nicht immer, und genau dort entstehen die Fälle, in denen ein vermeintliches Schnäppchen auf dem Land dauerhaft im LTE-Netz hängt. Welche Geräte den Funkteil sauber umsetzen, führt der 5G Smartphone Test auf; dass auch der Tarif die Bänder nicht bremst, klärt der Beitrag 5G Tarife.

Häufig gestellte Fragen zu den 5G Frequenzen

Auf welchen Frequenzen funkt 5G in Deutschland?

Im öffentlichen Netz auf vier Bereichen: 700 MHz (Band n28) für die Fläche, 1,8 GHz (n3) und 2,1 GHz (n1) als Zwischenbänder, meist per Dynamic Spectrum Sharing, und 3,6 GHz (n78) als Kapazitätsband der Städte. Die 26-GHz-Frequenzen sind vergeben, senden im Endkundennetz aber bislang nicht.

Welches 5G Band ist das schnellste?

Das 3,6-GHz-Band n78. Dort stehen den Betreibern zusammenhängende Blöcke von 70 bis 90 MHz zur Verfügung, was Datenraten von 300 bis über 1.000 Mbit/s ermöglicht. Der Preis ist die Reichweite: Eine n78-Zelle trägt grob einen Kilometer, eine 700-MHz-Zelle ein Vielfaches davon.

Was ist der Unterschied zwischen Band n28 und n78?

n28 (700 MHz) ist das Reichweiten-Band: wenige Antennen versorgen große Flächen, die Datenrate bleibt bei 50 bis 150 Mbit/s. n78 (3,6 GHz) ist das Kapazitäts-Band: kurze Reichweite, dafür die höchsten Datenraten im deutschen Netz. Ein gutes 5G Smartphone muss beide beherrschen.

Sind höhere 5G Frequenzen gefährlicher?

Nein. Alle in Deutschland genutzten 5G Frequenzen sind nicht-ionisierende Funkwellen; mit steigender Frequenz sinkt sogar die Eindringtiefe ins Gewebe. Maßgeblich sind die Grenzwerte, die für alle Bänder gelten. Die Studienlage ordnet der Faktencheck Ist 5G gefährlich ein.

Warum wird 26 GHz in Deutschland nicht genutzt?

Die Reichweite von Millimeterwellen liegt bei wenigen hundert Metern mit Sichtverbindung, der Ausbau wäre entsprechend teuer. Solange im 3,6-GHz-Band Kapazität frei ist, fehlt der wirtschaftliche Druck. Vergeben sind die Frequenzen seit 2019, sie werden bislang vor allem für Tests und lokale Anwendungen genutzt.

Was bedeutet DSS bei den 5G Frequenzen?

Dynamic Spectrum Sharing lässt LTE und 5G denselben Frequenzblock im Millisekundentakt teilen. Das beschleunigte den 5G Start enorm, liefert aber kaum mehr Tempo als LTE, weil sich beide Standards die schmale Bandbreite teilen. Ein 5G Symbol über DSS ist echtes 5G, nur eben kein schnelles.

Welche Frequenzen nutzen Campusnetze?

Für lokale 5G Netze reserviert die Bundesnetzagentur den Bereich 3,7 bis 3,8 GHz. Industrieunternehmen, Häfen, Kliniken und Hochschulen können dort eigene Frequenzen für ihr Gelände beantragen und ein privates 5G Netz betreiben, unabhängig von den öffentlichen Netzbetreibern.

Muss mein Handy alle 5G Frequenzen unterstützen?

Für Deutschland sollten n28, n78, n1 und n3 an Bord sein; das erfüllen praktisch alle regulär hier verkauften Geräte. Vorsicht bei Importware: Dort fehlt gelegentlich n28, womit 5G auf dem Land ausfällt. Eine Checkliste bietet der 5G Smartphone Test.

Fazit

Die 5G Frequenzen in Deutschland folgen einer klaren Arbeitsteilung: 700 MHz für die Fläche, die Zwischenbänder als Brücke, 3,6 GHz für das Tempo, 26 GHz als ungenutzte Reserve. Wer diese Landkarte kennt, versteht fast jedes 5G Phänomen im Alltag, vom lahmen 5G Symbol auf dem Dorf bis zum Gigabit-Speedtest in der Innenstadt. Den Ausbaustand der Bänder dokumentiert fortlaufend die 5G Übersicht dieses Verzeichnisses.